Eifel Motorradtour: Geschichte an Rhein, Mosel und Eifel

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Osteifel
Mittelaltermarkt, Foto Ⓒ Thomas Hendele Fotografie, www.thomashendele.de

Die Ehrenburg in Brodenbach ist vor allem im Juli und August ein lohnenswertes (Zwischen-)Ziel. Dann nämlich findet der „Ehrenburger Sommer“ statt. Den Weg dorthin und zurück wählen wir so, dass wir auch an weiteren Schlössern / Burgen am Rhein, der Mosel und der Eifel vorbeikommen.

Wir starten unsere Runde zu Beginn des Brohltals am Rhein und passieren daher – in Sichtweite – das Schloss Augustaburg.

Schloß Augustaburg (auch Burg Brohleck genannt) – Bild einer vorherigen Ausfahrt.

Die Burg Brohleck wurde 1289 erstmals urkundlich erwähnt unter Herrschaft zu Broil, Sifrid zu Broil, Lukardis seiner Frau und Conrad sein Sohn.
1938 gehörte die Burg einer Münchner Bank und diente als Reichsführinnenschule des Reichsarbeitsdienstes (RAD).
Im April 1942 wurden hier etwa 100 jüdische Bürger des Kreises Ahrweiler bis zu ihrem Abtransport in die KZs untergebracht.
Ab den 1950er-Jahren wohnten mehrere Brohler Familien in Mietwohnungen in dem Gebäude.

Seit den 1970er-Jahren wurde die Burg sich selbst überlassen und nun vom derzeitigen Besitzer renoviert (Quelle).

Bei der anschließenden Fahrt hinein ins Brohltal passieren wir nach kurzer Zeit die rechts von uns liegende Schweppenburg.

Schweppenburg im Brohltal

Schloss Schweppenburg wird als Burg bereits 1365 erstmals erwähnt. Zusammen mit der heute noch arbeitenden Schweppenburger- oder Mosenmühle gerät sie als kurkölnisches Lehen im Jahre 1377 in den Besitz des Andernacher Schöffen Arnold von Schweppenburg. Sie erhielt ihre heutige Gestalt im Stil des Barocks durch einen Umbau in den Jahren 1637 bis 1639 unter Bertram von Metternich. Die alte wehrhafte Burganlage, die bis dahin noch als Wirtschaftsgebäude gedient hatte, ist im Jahr 1785 niedergelegt worden. Seit 1716 befindet sich das Schloss durch Kaufvertrag im Besitz eines Zweiges der Kölner Patrizier-Familie von Geyr (in Köln auch Gir), der sich dann nach der Burg Geyr von Schweppenburg nannte (Quelle).

Für ein kurzes Wegstück bleiben wir noch im Brohltal und fahren auf das Jägerheim zu.

Trasshöhlen im Brohltal (Bild von einer Wanderung – Blick auf die Seite des Jägerheims)

Direkt hinter dem Jägerheim  im Brohltal finden sich rechts die sogenannten Trasshöhlen.

Es geschah vor etwa 13.000 Jahren: Der Laacher-See Vulkan hatte ein hochexplosives Stadium erreicht. Nach gewaltigen Explosionen im Untergrund ergossen sich heiße Glutwolken und Ascheströme in mehreren Schüben nach allen Seiten aus dem Vulkan. Die Eruptionen verursachten Gewitter mit extrem starken Regenfällen. Unter der gewaltigen Hitze verwandelte sich das Regenwasser blitzschnell zu Dampf. Die glutheißen Aschen verbanden sich ihm zu einem tödlichen Schlamm- und Schuttstrom (Lahar), der alles Leben, was sich ihm in den Weg stellte, verbrannte und erstickte.
Auch an der Nordflanke des Laacher See-Vulkans raste  ein gewaltiger 400 – 600 C heißer Aschestrom mit hoher Geschwindigkeit auf einem Luftkissen durch das Tönissteiner Tal (heute „Wolfsschlucht“). Glühende Aschenpartikel in der Luft wurden durch seinen Sog wie glühende Schneeflocken mitgerissen. Der meterhohe Schlammstrom prallte zunächst auf die steilen Devonschieferhänge des Brohltals (im Bereich des heutigen Brohltalbahn-Viadukts) und füllte es bis zu einer Höhe von 60 Metern. Das glutheiße Asche-Dampf-Gemisch schwappte sogar noch einige hundert Meter talaufwärts. Der Hauptstrom raste weiter durch das Brohltal bis zum Rhein und folgte dem Strom noch einige Kilometer, bis er zum Stillstand kam. Alles Leben unter dem Aschestrom verbrannte oder wurde wie von einem Leichentuch zugedeckt. In den folgenden Jahrtausenden fräste das Wasser des Brohlbaches sich eine tiefe canyonartige Schlucht (vergleichbar mit der heutigen Wolfsschlucht) durch die vulkanischen Ablagerungen, die auch Trass oder Duckstein bezeichnet werden (Quelle).

Kurz hinter dem Jägerheim biegen wir vorsichtig links ins Tönissteiner Tal ab, um wenig später erneut links abzubiegen und die Kurven hinauf nach Kell und danach weiter in Richtung Laacher See zu fahren.

Auf halber Strecke bis zur Kreuzung passieren wir übrigens einen der Startpunkte des Traumpfades „Höhlen- und Schluchtenweg“.

Alte Heimschule (nicht direkt an der Route gelegen)

An der folgenden Kreuzung findet sich links davor die Zufahrt zu einer ehemaligen Heimschule, die heute jedoch nur noch eine Ruine darstellt. Von der Strecke aus ist sie aufgrund des Baumwuchses so nicht zu sehen.

Das Gebäude der ehemaligen Heimschule am Laacher See steht noch heute auf einem Hochplateau der Gemeinde Nickenich.
Der Grundstein wurde am 18. September 1927 gelegt. Bei der Schule handelte es sich um ein vereinigtes Gymnasium und Realgymnasium mit gemeinsamer Unterstufe und jeweils eigener Oberstufe und der Möglichkeit, die Abiturprüfung abzulegen.
Die Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen verhinderten den geplanten Ausbau der Schule. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurden die Gelder für katholische Konfessionsschulen gestrichen. Wirtschaftliche und politische Umstände führten dazu, dass der Unterricht 1934/1935 eingestellt werden musste. Anschließend wurde das Gebäude als „Heimstätte für Mädchen“ genutzt, die dort ihr Landjahr absolvieren mussten. 1944 wurde das Gebäude dann von der V1-Truppe, Regiment 152 Wachtel, belegt. Im Hochwald, der an das Gebäude angrenzt, wurden V1-Raketen einsatzfähig gemacht. Anschließend wurden sie zu den Abschussrampen in der Eifel transportiert. Nach 1945 wurde das Gebäude nicht mehr genutzt. Diebstahl und Zertrümmerung sorgten dafür, dass nur noch eine Ruine übrig blieb. Gegen Ende der 50er Jahre gab es Bestrebungen, das Gebäude zu reaktivieren und als Schullandheim zu nutzen. Diese Pläne scheiterten jedoch daran, dass eine Wasserversorgung fehlte (Quelle).

Es geht nun hinab nach Nickenich, wo sich auch – in der Nähe der Route hinter dem Stadion – der „Tumulus von Nickenich“ befindet.

Tumulus von Nickenich – Bild von einer früheren Wanderung im Herbst

Archäologischen Funden zufolge war Nickenich vor weit über 2000 Jahren Siedlungsplatz der Kelten (Tumulus-Grabmalfund, Brandgräber und Urnen im Ortsbereich). Spuren aus der keltischen Siedlungsperiode wurden noch 1993 und 1994 vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz in Mainz in der Nickenicher Gemarkung „auf dem Hönsenacker“ entdeckt und freigelegt. Der keltischen Siedlungsperiode folgten etwa um 50 v. Chr. die Römer (Quelle).

Weiter geht es nun in Richtung Andernach, wobei wir hier auf die Bundesstraße 9 in Richtung Koblenz auffahren, dort die Mosel überqueren und weiter auf der B9 in Richtung Boppard fahren.

Auf der Fahrt findet sich ein Wegweiser, der einen Hinweis auf den „Rittersturz“ anzeigt; einem Aussichtspunkt, der von der Straße rechts hinauf über eine asphaltierte Straße ebendort zu finden ist.

Rittersturz – Bild einer früheren Wanderung

Auf der Rittersturz-Konferenz, die vom 8. bis 10. Juli 1948 im Hotel „Rittersturz“ in Koblenz stattfand, berieten die Regierungschefs der in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands gebildeten Länder (mit Ausnahme des Saarlands) und die Oberbürgermeisterin von Berlin über die Londoner Empfehlungen und die auf ihnen basierenden Frankfurter Dokumente, welche die Gründung eines westdeutschen Staates vorsahen.
Die Rittersturz-Konferenz war einer der ersten Schritte auf dem Weg zum Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und zu deren Gründung (Quelle).

Kurz hinter der Aussichtsplattform machen wir eine erste kurze Pause.

Wenig später setzen wir die Fahrt fort und passieren das Schloß Stolzenfels oberhalb der B9.

Schloss Stolzenfels

Das Schloss Stolzenfels ist ein Schloss im Mittelrheintal in Koblenz. Es thront auf der linken Seite des Rheins über dem Stadtteil Stolzenfels, für den es namensgebend war, gegenüber der Lahnmündung. Die erst Anfang des 19. Jahrhunderts vom preußischen Kronprinzen zum Schloss ausgebaute Anlage geht auf eine kurtrierische Zollburg aus dem 13. Jahrhundert zurück, die 1689 zerstört wurde. Das neugotische Schloss ist das herausragendste Werk der Rheinromantik (Quelle).

Ein Besuch und eine Führung dort lohnen sich, insbesondere bei schönem Wetter.

Besuch Schloss Stolzenfels – älteres Bild

Weiter geht es nach Rhens, dort folgen wir der Beschilderung nach Waldesch.

Nach kurzer Zeit kommen wir dabei am Königsstuhl von Rhens vorbei – ein Parkplatz befindet sich direkt dahinter.

Von Waldesch aus geht es wenig später unter der A61 hindurch nach Pfaffenheck und anschließend weiter nach Alken an die Mosel.

Der Weg hinab an die Mosel führt uns zum Ende über mehrere Kehren hinab.

An einer Kehre führt ein nicht gesondert ausgewiesener asphaltierter Weg hinauf zur Burg Thurant.

Wir bleiben jedoch auf der Strecke und halten an einem weiteren Weg an, um die Burg abzulichten.

Blick auf die Burg Thurant

Ein Besuch dieser Burg lohnt sich auf jeden Fall.

Burg Thurant

Keramik- und Münzfunde lassen auf eine römische Besiedelung des Bergsporns schließen, die erste urkundliche Erwähnung einer Anlage an diesem Ort datiert aber erst aus dem Jahr 1209 (Quelle).

Letztlich an der Mosel angekommen, halten wir uns links auf der B49 nach Brodenbach.

Dieses Wegstück zwischen den beiden benachbarten Orten werden wir auf der Rückfahrt ebenfalls kurz nutzen.

Im Ort selbst halten wir uns links und nehmen auf der Hinfahrt die linke Gabelung der Straße, die in die Höhe führt.
Rechts kommen wir auf dem Rückweg herunter. Also auch kein Problem, wenn man sich hier vertun sollte.

So geht es jetzt wieder steiler und sehr kurvig über mehrere engere Kehren in die Höhe.

Wenig später erreichen wir die rechts von uns gelegene Zufahrt zum Parkplatz der Ehrenburg.

Ab hier sind es noch 800 Meter Fußweg bis zur tiefer gelegenen Burg.

Die Ehrenburg ist die Ruine einer Spornburg auf 230 m ü. NN in der Nähe von Brodenbach mit einer recht wechselvollen Geschichte. Sie wurde auf einem Felssporn im Ehrbachtal, einem Seitental der Mosel erbaut. Einst das befestigte Zentrum einer kleinen Reichsherrschaft mit Besitzungen zwischen Untermosel und Mittelrhein, ist sie heute ein Kulturdenkmal mit einer Vielzahl an Veranstaltungen (Quelle).

Zugang über die Brücke zur Burg

1161 erscheint die Burg namentlich erstmals als „Castrum Eremberch“ in einer Schlichtungsurkunde des Stauferkaisers Friedrich I. genannt Barbarossa (Quelle wie vor).

Innenbereich

Am 1. November 1688 besetzten französische Soldaten unter Ludwig XIV. im Laufe des Pfälzischen Erbfolgekriegs die Burg und sprengten ein Jahr später am 30. April 1689 Teile der Burganlage; die Kapelle blieb gänzlich verschont und wurde erst im nächsten Jahrhundert aufgegeben (Quelle wie vor).

Ehrenburg

Seit 1991 ist die Ehrenburg in Privatbesitz und wird seit 1993 durch den gemeinnützigen Freundeskreis der Ehrenburg e.V. aus privaten Mitteln erhalten und wiederaufgebaut (Quelle wie vor).

Impressionen

Noch schnell eine Kleinigkeit gegessen – bezahlt wir übrigens mit Ehrenburgtalern, die eins zu eins an der Kasse erworben werden können – und den Spielleuten „Wildwuchs“ gelauscht.

Spielleute Wildwuchs

Es beginnt heiß zu werden und die 800 Meter bergauf in der Motorradkluft zum Parkplatz warten ja auch noch auf uns.
Also machen wir uns auf den Weg und beschließen noch eine kleine Runde im Hunsrück zu drehen, um letztendlich wieder in Brodenbach zu enden.

Traumschleife Ehrbachklamm – Bild von einer früheren Wanderung

So machen wir zuallererst einen kleinen Schlenker durch Oppenhausen.

Anschließend geht es über Buchholz nach Emmelshausen und dort rechts in Richtung Morshausen, wo sich eine weitere Traumschleife „Murscher Eselche“ befindet.

Kurz hinter Morshausen

Kurz hinter Morshausen legen wir bei dieser wunderbaren Fernsicht eine kurze Pause ein.

Anschließend setzen wir die Fahrt fort und kommen kurvenreicher wieder in Brodenbach an der Mosel an.

Wie zu Beginn geschrieben, fahren wir zurück nach Alken, wobei wir zuvor die Brücke über die Mosel nutzen, um auf der anderen Uferseite in Kattenes anzukommen.

Hier geht es wieder mit ein paar Kehren hinauf nach Mörz und Münstermaifeld.

Von hier aus ist es auch nicht weit bis zu den Burgen Eltz und Pyrmont.

Unterwegs

Vorbei an Naunheim fahren wir nach Mayen

Richtung Mayen

… und halten uns hier in Richtung der A61, wobei wir auf der Fahrt dorthin unterhalb der Römerwarte bzw. des Katzenberges entlangfahren.

Katzenberg mit Römerwarte – Bild von einer früheren Wanderung

Um 300 n. Chr. wurde auf dem Mayener Katzenberg eine Festungsanlage errichtet.
Mit 1,2 Hektar Fläche ist der Katzenberg die größte bisher bekannte spätrömische Fliehburg im Rheinland.

Die Warte auf der höchsten Stelle des Katzenberges diente der Beobachtung des Umlandes und ermöglichte im Ernstfall auch die Weitergabe von Signalen an andere, kleinere Befestigungsanlagen entlang der Nette (Quelle).

Kurz vor dem Laacher See fahren wir auf die A61, wo diese Tour endet.

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Falls Ihr ebenfalls Lust haben solltet, dem Track zu folgen oder diesen für Eure eigenen Wünsche anzupassen, so findet Ihr diesen – aber auch weitere Informationen – wie gehabt bei Outdooractive. Einfach dem Link folgen.

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